Wirkung von Glaubenssätzen und Affirmationen

Aktualisiert: Juni 19

Der französische Apotheker Émile Coué fand bereits Anfang des 20. Jahrhunderts heraus, dass die Wirkung der Medikamente, die er seinen Kunden verkaufte, davon abhing, mit welchen Worten er diese überreichte. Wenn er sagte: „Mit diesem Medikament werden Sie sicher ganz schnell gesund“, wirkte die Arznei besser, als wenn er keinen Kommentar dazu abgab. Seine Patienten sollten sich zudem täglich folgende Formel morgens, mittags und abends jeweils 25-mal halblaut vorsagen: Es geht mir Tag für Tag und in jeder Hinsicht immer besser und besser.“ Mit dieser Methode erzielte Coué überwältigende Erfolge, und seine Patienten kamen von nah und fern. Aus seinen Beobachtungen entwickelte Coué die Lehre der Autosuggestion. Er erkannte, dass die gedankliche Selbstbeeinflussung des Kranken entscheidend für dessen Heilung ist. Coué beschrieb zwei grundlegende Erkenntnisse:


  • Jeder Gedanke in uns hat die Tendenz, zur Realität zu werden.

  • Jeder Mensch ist in der Lage, sein Wohlbefinden durch positive Glaubenssätze zu steigern.


Inzwischen ist diese Erkenntnis durch eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien belegt. So beschäftigt sich ein ganzer Forschungszweig, die Psychoneuroimmunologie, mit den Auswirkungen von Gedanken und Gefühlen auf die Tätigkeit des Immunsystems. Die Weiterentwicklung der psychosomatischen Medizin lieferte eine Fülle von Erkenntnissen über das Zusammenwirken von Geist und Körper. Neben unseren Körperfunktionen wird auch unser Verhalten maßgeblich von unseren Überzeugungen und unserem Glauben geprägt. Glaubenssätze bestimmen und formen somit unser tagtägliches Leben und Erleben.


Kraft der Gedanken

Unsere Gedanken kommen und gehen. Nicht zu denken, ist physisch eigentlich nicht möglich. Unsere Sinne und Erinnerungen regen unser Gehirn zum Denken an, und in diesem Gedankenstrom entsteht das, was wir laut oder leise aussprechen oder still für uns behalten. Der Tag hat 24 Stunden; etwa drei Viertel davon erleben wir bewusst. In dieser Zeit können wir bestimmen, was wir denken. Wir haben also etwa 18 Stunden lang die Möglichkeit, Förderliches oder Hinderliches zu denken, zu grübeln oder uns zu freuen. Pro Tag steuert unser Gehirn ca. 30.000 bis 60.000 Gedanken. Davon sind lediglich 3 Prozent positive, aufbauende Gedanken, 25 Prozent sind negative Gedanken, und 72 Prozent sind neutrale, flüchtige bzw. unbedeutende Gedanken.


Allein das Verhältnis von 3 zu 25 Prozent zeigt schon, wie unausgewogen die Relation zwischen negativen und positiven Gedanken ist. In Krisensituationen und bei Krankheiten kann sich dieses Verhältnis darüber hinaus eklatant verschieben: Nicht selten stehen dann den 3 Prozent positiven Gedanken 75 Prozent an negativen gegenüber.[1] Prägen wir uns einen Gedanken ein, dann hat das Konsequenzen: Der Gedanke wird uns vertraut, kann zur inneren Überzeugung werden und wirkt dann in unsere Worte und Handlungen hinein. Und damit wird auch verständlich, dass Glaubenssätze und Affirmationen das verstärken, was wir glauben, spüren, sehen oder haben wollen. Wir sind heute im körperlichen wie auch im geistigen Sinn genau das, was unsere Gedanken aus uns gemacht haben. Die Gedankenwelt ist deshalb auch für unsere Zukunft enorm wichtig. Richtig angewandt, können uns Affirmationen als Wegbereiter und Verstärker für erwünschte Gefühle, Visionen und Veränderungen dienen.


Erkenntnisse der Gehirnforschung

Die Bereiche für positives oder negatives Denken in unserem Gehirn sind in verschiedenen Regionen untergebracht. Im rechten Frontallappen des Gehirns, der sich etwas oberhalb der Schläfe befindet, sitzt das Areal für alle negativen Gedanken, Gefühle und Überzeugungen. Im linken Frontallappen des Gehirns, also genau gegenüber, liegt das Zentrum für unsere positiven Gedanken. Diese beiden Zentren sind unterschiedlich groß entwickelt, und zwar je nachdem, wie unsere Denkgewohnheiten ausgeprägt sind. Denken wir oft negativ über uns und die Welt, wird der rechte Frontallappen sehr ausgeprägt sein. Sind wir eher optimistisch und denken gern positiv über uns und die Welt, ist das Areal auf der linken Seite größer und stärker entwickelt. Unser Gehirn passt sich immer dem an, was wir vorrangig tun und denken. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Plastizität des Gehirns.



Wussten Sie, dass … … Kopfarbeiter rund 50.000 Gedanken pro Arbeitstag denken? Zu 90 Prozent denken wir stets das Gleiche, und die meisten Menschen richten ihren Fokus unbewusst auf Probleme.

Die Medizin kann durch eine Magnetresonanztomografie sehr genau messen, welches Gehirnareal in der Vergangenheit intensiver entwickelt wurde. Wenn wir nörgeln, schimpfen, streiten, uns selbst beschimpfen oder fertigmachen, vergrößert sich der rechte Bereich des Gehirns und wird uns sehr rasch selbstständig mit weiteren negativen Gedanken bombardieren und automatische Gedankenketten in diese Richtung fördern. Das linke Areal für positive Gedanken wird währenddessen kleiner werden und immer mehr verkümmern. Wir werden also nur noch selten positive Gedanken über uns und andere haben. Denken wir dagegen vorrangig positiv, loben wir uns, sind wir stolz auf uns, sagen wir Schönes über uns und andere, so wird sich der linke Bereich vergrößern und unser gesamtes Denken darauf ausrichten. Wir werden uns immer positiver wahrnehmen, und unser Leben wird sich danach ausrichten.


Zu bedenken ist allerdings, dass wir Menschen unbewusst meistens negativ denken. Nämlich, indem wir unseren Gedanken einfach freien Lauf lassen. Dabei hat unser Gehirn die Tendenz, sich auf die Gefahren und Probleme des Lebens zu konzentrieren und diese noch größer zu machen, als sie sind. All unsere Befürchtungen und Ängste lassen uns genau das wahrnehmen, was sie bestätigt, und uns passend dazu verhalten. Die Erkenntnisse der Hirnforschung zeigen jedoch auch, dass unser Gehirn die Fähigkeit besitzt, seine Vernetzungen zu ändern und neue Verknüpfungen von Nervenzellen auszubilden, wenn wir für eine gewisse Zeit Neues tun oder anderes denken. Nach der Theorie der neuronalen Plastizität ist unser Gehirn bis ans Lebensende in höchstem Maße form- und veränderbar. Dementsprechend sind auch unser Geist und unsere Wahrnehmung form- und veränderbar.


Durch bestimmte Gedanken, Erinnerungen, Wünsche, Erfahrungen sowie etwa durch positive Glaubenssätze und Visualisierungen können wir die neuronale Plastizität so anregen, dass sich die Netze im Gehirn dementsprechend verändern. Dies führt zur Umgestaltung des neuronalen Schaltplans unseres Gehirns. Da unser Gehirn bestimmt, wer wir sind und wie wir die Wirklichkeit sehen, führt dies auch zur Umgestaltung unserer Wirklichkeit und damit unseres Lebens. Die neuronale Plastizität versetzt uns somit in die glückliche Lage, unser Leben in jede beliebige Richtung entwickeln zu können. Die wissenschaftliche Tatsache, dass unser Gehirn eine derartige Formbarkeit besitzt, lässt Gehirnforscher Niels Birbaumer auf Folgendes schließen: „Da unser Gehirn unsere Realität bestimmt und dabei hochgradig formbar ist, können wir auch durch bestimmte Techniken und Methoden mühelos unsere Wahrnehmung und Bewertung der Wirklichkeit verändern und somit auch unsere Welt entsprechend unseren Wünschen, Träumen und Zielen transformieren. Die Lehren der Neurobiologie über die neuronale Plastizität sind für diese Aussagen eine unleugbare Grundlage und zugleich der Beweis für die Machbarkeit.“


Wenn wir bewusst steuern, was wir erleben und wahrnehmen, bzw. wenn wir darauf achten, womit wir unser Gehirn füttern, so verändern wir es auch entsprechend diesem Input: Unser Gehirn organisiert sich demgemäß neu. Es liegt immer in unserer Hand, welchen Bereich des Gehirns wir nutzen und vergrößern wollen. Das Faszinierende daran ist, dass wir jederzeit eine neue Wirklichkeit für unser Leben erschaffen können. Wenn wir für eine gewisse Zeit durch neue Denkweisen unsere bisher brachliegenden Abschnitte des Gehirns trainieren, können unsere Erfahrungen in Zukunft völlig anders verlaufen. Wir löschen regelrecht alte Programme im Gehirn und erschaffen neue.


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