Wie Sie einschränkende Glaubenssätze erkennen



Unsere Überzeugungen und Glaubenssätze wirken auf unser Leben, indem sie unsere Sicht der Dinge und damit auch unsere Handlungen entweder positiv unterstützen oder aber einschränken. Im Idealfall stimmen unsere Glaubenssätze mit unseren Werten und Zielen überein; dann sind es positive Glaubenssätze. Im negativen Fall behindern sie uns in unserer Entwicklung und der Erreichung unserer Ziele, womit es sich um negative oder beeinträchtigende Glaubenssätze handelt.




Negative Glaubenssätze

Negative Glaubenssätze sind Aussagen über vermeintliche Mängel in bzw. an uns, die sich als Überzeugungen verfestigt und als Blockaden in uns verankert haben. Einschränkende Glaubenssätze begrenzen uns und führen dazu, dass wir sehr viel weniger Spaß, positive Ergebnisse und Lebensglück haben, als wir könnten. Die Krux an einschränkenden Glaubenssätzen ist zudem: Negative Glaubenssätze lösen negative Gedanken aus. Diese Gedanken erzeugen dann bestimmte Gefühle, die wiederum zu einem bestimmten Verhalten führen. Wir kennen diesen Grundsatz auch unter dem Begriff der selbsterfüllenden Prophezeiung.


Wenn Sie den Glaubenssatz „Ich sehe nicht gut aus, und keiner interessiert sich für mich“ haben, werden Sie Unsicherheit ausstrahlen und sich so schüchtern verhalten, dass sich niemand mit Ihnen unterhält. Darauf reagieren Sie mit Gedanken wie „Keiner redet mit mir, niemand nimmt mich wahr“ (Gedanke), was wiederum zur Folge hat, dass Sie sich noch unsicherer fühlen (Gefühl) und noch mehr zurückziehen (Verhalten). Folglich werden Sie noch weniger beachtet, was Ihnen letztlich die Bestätigung gibt: „Ich sag’s ja immer: Ich sehe nicht gut aus, und keiner interessiert sich für mich.“ Und weil Sie sich selbst bestätigen, wird die Annahme, dass dies die einzig mögliche Realität ist, immer fester und trägt dazu bei, dass Sie sich unsicher und wertlos fühlen.


Leider neigen wir Menschen auch dazu, einmal gemachte negative Erfahrungen zu generalisieren. Wenn wir einmal etwas erfolglos ausprobiert haben, laufen wir Gefahr, in diesem negativen Resultat eine Regelmäßigkeit zu erkennen zu glauben. Angenommen, Sie haben einen Vortrag gehalten, obwohl Sie überzeugt waren, dem nicht gewachsen zu sein. Der Vortrag missglückt dann auch tatsächlich, woraufhin Sie sich schwören: „Das mache ich nie wieder, das kann ich nicht!“ Folge dieser Verallgemeinerung kann sein, dass Sie nie mehr einen Vortrag halten werden.


Hier ein paar weit verbreitete negative Glaubenssätze:


· Ich bin nichts wert.

· Ich bin unwichtig.

· Ich bin nicht wert, geliebt zu werden.

· Ich verdiene keine Beachtung.

· Ich habe nie Erfolg.

· Ich kann nichts erreichen.

· Andere werden immer bevorzugt.

· Ich bin schuldig.

· Mädchen/Frauen sind minderwertig.

· Ich wirke als Mann/Frau nicht anziehend auf andere.

· Ich bin nicht begehrenswert.

· Ich bin zu dick (zu dünn / zu groß / zu klein / …).

· Meine Beine sind zu dick (Meine Augen sind zu klein / Meine Haare sind zu dünn / Alle starren nur darauf …).

· Meine Taille ist zu breit (Mein Bauch ist zu dick / Mein Rücken ist zu krumm …).

· Ich bin ein Nichtsnutz.

· Ich bin ein Versager.

· Ich habe zwei linke Hände.

· Ich bin hilflos.

· Ich bin machtlos.

· Ich darf meine Meinung nicht sagen.

· Ich mache immer alles falsch.

· Ich bin immer die bzw. der Letzte.

· Ich bin uninteressant.


Laut einer Studie der Harvard University hört jeder Jugendliche bis zu seinem 18. Lebensjahr ca. 180.000 solcher negativen Suggestionen. Diese Suggestionen können dann durch ihre häufigen Wiederholungen zu Glaubenssätzen werden und verschütten damit unsere Zuversicht, unsere Begabungen und unseren Glauben.


Positive Glaubenssätze

„Nicht der Wille ist der Antrieb unseres Handelns, sondern die Vorstellungskraft“, schrieb der französische Apotheker Émile Coué in seinem Buch über die Grundsätze der Autosuggestion. Konkret bedeutet das: Alle Macht liegt in unseren Gedanken – wir bekommen das, was wir uns vorstellen. Wenn Sie positive Gedanken und Anregungen in Ihr Unterbewusstsein einfließen lassen, wird dies letztlich eine positive oder optimistische Einstellung aufbauen. Wenn Sie es sich zur Gewohnheit machen, positive Ideen und Formulierungen in Ihr Unterbewusstsein einzubringen, fängt dieses an, ähnliche Denkmuster zu produzieren. Und wenn Ihre Gedanken positiv werden, werden auch Sie optimistischer. Indem Sie Affirmationen rezitieren, stärken Sie sich selbst und bauen eine gesunde Denkweise auf, die immer an Wachstum, Entwicklung und neuen Ideen ausgerichtet ist.


Einschränkende Glaubenssätze erkennen

Vielen Menschen ist nicht bewusst, welche negativen Glaubenssätze sie haben, denn sie halten ihre Gedanken für „normal“. Da Sie Ihre Glaubenssätze unbewusst mit sich herumtragen und durch die selbsterfüllende Prophezeiung immer wieder bestätigt sehen, liegt der erste Schritt darin, Ihre persönlichen Glaubenssätze zunächst einmal zu identifizieren. Die eigenen Glaubenssätze aufzuspüren und zu identifizieren, ist mitunter nicht ganz so einfach. Oft erkennen wir sie nicht, weil sie so automatisch ablaufen wie die Schaltvorgänge bei einem automatikgetriebenen Auto. Üben Sie sich in daher in Selbstreflexion und beobachten Sie eine Zeit lang genauestens Ihre Gedanken, Worte sowie Ihr Handeln:


1. Achten Sie bewusst auf Ihre Sprache, mit der Sie sich selbst, andere Menschen und die Welt beschreiben. Sie verrät Ihnen viel darüber, wie Ihre Glaubenssätze-Landschaft aussieht. Gibt es negative, einschränkende oder destruktive Aussagen, die Sie häufig von sich geben?


2. Lauschen Sie Ihren täglichen Selbstgesprächen; wie wirken diese auf Sie? Denken Sie eher optimistisch, kritisch, mit Demut, mit Zweifeln oder Schuldgefühlen beladen, denken Sie konstruktiv, gegenwarts- und zukunftsorientiert oder in der Vergangenheit verhaftend? Wenn Sie sich zuhören, werden Sie Ihre ganz persönlichen Blockaden und Beschränkungen heraushören. Es sind jene Sätze, die mitverantwortlich dafür sind, dass Sie sich genau dort im Leben befinden, wo Sie gerade sind.


3. Finden Sie Ihre Glaubenssätze, indem Sie auf Ihre Vorannahmen achten: Wenn Sie beispielsweise mit etwas Schlechtem rechnen, steckt mit großer Wahrscheinlichkeit auch ein negativer Glaubenssatz dahinter. Erwarten Sie zum Beispiel, eine erfolglose Gehaltsverhandlung zu führen, kann dahinter ein negativer Glaubenssatz in Bezug auf Ihre eigene Leistung, die Wertschätzung des Vorgesetzten oder darüber, ob Sie die Erhöhung verdienen, stehen.


4. Wenn Sie einmal frustriert oder unglücklich sind, gibt Ihnen diese Situation Gelegenheit, etwas über Ihre negativen Glaubenssätze herauszufinden: Legen Sie sich aufs Sofa oder ins Bett und bemitleiden Sie sich so richtig selbst. Legen Sie sich dazu unbedingt Schreibzeug zurecht und schreiben Sie dann ALLE Gedanken auf, die in Ihnen hochkommen. Viele dieser Gedanken sind negative Affirmationen, die sich in Ihnen verankert haben. Wenn es Ihnen dann wieder besser geht, können Sie jeden negativen Glaubenssatz in einen Positiven umwandeln und mit Ihrer Affirmationsarbeit beginnen. „Mir gelingt nie etwas“ wird dann vielleicht zu „Ich schaffe alles, was ich mir vornehme“.


Alles beginnt mit einem Gedanken, und einen Gedanken kann man ändern. Louise Hay

5. Machen Sie sich alle Vor- und Nachteile bewusst: Auch wenn es nicht immer offensichtlich ist, haben negative Glaubenssätze oft auch Vorteile. Zum Beispiel kann Sie der Gedanke „Ich kann das nicht“ davon abhalten, bestimmte Projekte anzugehen. Das hat den Vorteil, dass Sie nicht scheitern können, in Ihrer gemütlichen Komfortzone verweilen dürfen und sich nicht anstrengen müssen. Schreiben Sie alle Vor- und Nachteile Ihrer negativen Glaubenssätze auf. Wiegen Sie die Vorteile und Nachteile eines einschränkenden Glaubenssatzes gegeneinander ab und überlegen Sie, ob Ihnen der Glaubenssatz mehr nutzt oder mehr schadet. Entscheiden Sie sich bewusst, ob Sie ihn behalten oder lieber loslassen möchten. Ein Glaubenssatz ist nie wahr oder falsch. Er ist immer entweder nützlich oder schädlich. Er formt Ihre Realität, und dabei können Sie bewusst bestimmen, in welcher Realität Sie leben möchten.


6. Beschreibung versus Bewertung: Unser Verstand stellt uns gelegentlich die eine oder andere Falle. Eine dieser Fallen besteht darin, dass Bewertungen und Beschreibungen rein sprachlich kaum voneinander zu unterscheiden sind. Der Satz „Das Kleid ist schick“ ist fast identisch mit dem Satz „Das Kleid ist schwarz“ – und doch besteht zwischen diesen beiden Sätzen ein riesiger Unterschied. „Schick“ ist eine Bewertung, und „schwarz“ ist eine Beschreibung. Es ist uns kaum möglich, nicht zu bewerten. Wir haben in unseren Köpfen eine Art Bewertungsmaschine, die alles, was wir um uns herum und in uns wahrnehmen, blitzschnell bewertet. Häufig bemerken wir das nicht und verwechseln unsere Bewertungen mit einer Beschreibung. Sagen wir: „Meine Situation ist unerträglich“, „Die Menschen sind grauenhaft“ oder „Meine Zukunft ist düster“, dann beschreiben wir nicht, sondern bewerten.


Mit folgender Übung können Sie sich Ihre negativen Glaubenssätze bewusst machen: Schreiben Sie eine Liste mit Aussagen über sich selbst, die alle mit „Ich bin …“ beginnen. Dann setzen Sie ein T dahinter, wenn es sich um eine Tatsache handelt, oder ein B, wenn es eine Bewertung ist. Beispiele:


„Ich bin 70 Jahre alt.“ – T. „Ich bin ein alter Depp.“ – B.

„Ich habe die Prüfung nicht bestanden.“ – T. „Ich bin ein Versager.“ – B.

„Ich bin krank.“ – T. „Es hat keinen Sinn mehr.“ – B.


Formulieren Sie dann die Bewertungssätze neu und beginnen Sie so: „Ich bin ein Mensch, der sich als Versager bewertet“ oder „… der denkt, dass es keinen Sinn mehr hat“. Reflektieren Sie diese Aussagen und überlegen Sie, inwieweit sich dahinter negative bzw. destruktive Glaubenssätze verbergen.



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